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Erzählungen
Inhalt
Das
Urteil .......................................................1
Ein
Landarzt...................................................8
Auf
der Galerie ............................................10
Das
nächste Dorf..........................................11
Die
Sorge des Hausvaters ............................11
Ein
altes Blatt...............................................12
Ein
Besuch im Bergwerk .............................13
Ein
Brudermord ........................................... 16
Ein
Traum .................................................... 17
Eine
kaiserliche Botschaft ........................... 18
Elf
Söhne ..................................................... 18
Schakale
und Araber.................................... 21
Vor
dem Gesetz ........................................... 23
DAS
URTEIL
Es
war an einem Sonntagvormittag im schönsten Frühjahr. Georg Bendeman,
ein junger Kaufmann,
saß in seinem Privatzimmer im ersten Stock eines der niedrigen, leichtgebauten
Häuser, die
entlang des Flusses in einer langen Reihe, fast nur in der Höhe und Färbung
unterschieden, sich hinzogen.
Er hatte gerade einen Brief an einen sich im Ausland befindenden Jugendfreund
beendet, verschloß
ihn in spielerischer Langsamkeit und sah dann, den Ellbogen auf den Schreibtisch
gestützt,
aus dem Fenster auf den Fluß, die Brücke und die Anhöhen am anderen
Ufer mit ihrem schwachen
Grün. Er dachte darüber nach, wie dieser Freund, mit seinem Fortkommen
zu Hause unzufrieden,
vor Jahren schon nach Rußland sich förmlich geflüchtet hatte. Nun
betrieb er ein Geschäft
in Petersburg, das anfangs sich sehr gut angelassen hatte, s eit langem
aber
schon zu stocken
schien, wie der Freund bei seinen immer seltener werdenden Besuchen klagte. So
arbeitete er
sich in der Fremde nutzlos ab, der fremdartige Vollbart verdeckte nur schlecht
das seit den Kinderjahren
wohlbekannte Gesicht, dessen gelbe Hautfarbe auf eine sich entwickelnde Krankheit
hinzudeuten schien.
Wie er erzählte, hatte er keine rechte Verbindung mit der dortigen Kolonie
seiner Landsleute,
aber auch fast keinen gesellschaftlichen Verkehr mit einheimischen Familien und
richtete sich
so für ein endgültiges Junggesellentum ein. Was
sollte man einem solchen Manne schreiben, der sich offenbar verrannt hatte, den
man bedauern,
dem man aber nicht helfen konnte. Sollte man ihm vielleicht raten, wieder nach
Hause zu kommen,
seine Existenz hierher zu verlegen, alle die alten freundschaftlichen Beziehungen
wieder aufzunehmen
- wofür ja kein Hindernis bestand - und im übrigen auf die Hilfe der
Freunde zu vertrauen?
Das bedeutete aber nichts anderes, als daß man ihm gleichzeitig, ja schonender,
desto kränkender,
sagte, daß seine bisherigen Versuche mißlungen seien, daß er endlich
von ihnen ablassen
solle, daß er zurückkehren und sich als ein für immer Zurückgekehrter
von allen mit großen
Augen anstaunen lassen müsse, daß nur seine Freunde etwas verstünden
und daß er ein altes Kind
sei, das den erfolgreichen, zu Hause und im übrigen auf die gebliebenen Freunden
einfach zu folgen
habe. Und war es dann noch sicher, daß alle die Plage, die man ihm antun
müßte, einen
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