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| Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit von ,
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Papierbeziehung
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Rezension bezieht sich auf: Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit (Taschenbuch) Dieses dicke Bündel muß man schnell lesen; sonst kommt man nicht durch, und sonst geht einem das dauernde selbstbezogene Lamentieren des Verfassers vielleicht doch irgendwann auf die Nerven.
Kafka beschwört in den Briefen an Felice Bauer, die er vor Beginn des Briefwechsels nur ein einziges Mal gesehen hatte (man war sich gegenseitig nicht einmal sympathisch gewesen), eine Liebe(sbeziehung), deren Zweck darin besteht, daß es sie eigentlich nicht gibt. Er belagert die Geliebte mit Geschriebenem (über 350 Briefe und 150 Postkarten sind erhalten), stilisiert sie zu seiner "wesentliche[n] Verbindung mit Menschen", schreibt von Hochzeit und Zusammenleben; ist aber zugleich bemüht, sich selbst als möglichst unerträglich darzustellen (wenn er ihr die gemeinsame Zukunft ausmalt, wird er dem Leser richtig unsympathisch), windet sich mit unbegründetsten Ausflüchten, wenn auch nur ein Kurzbesuch ansteht. Kafka suchte eine ferne, unerreichbare Geliebte, um wortreich das Verlangen nach einer Nähe gestalten zu können, die er in Wirklichkeit nicht ertragen konnte. Felice war im Gegensatz dazu ziemlich wenig neurotisch, stand vielmehr pragmatisch und patent im wirklichen Leben (was Kafka an ihr faszinierte); sie nahm Kafkas Beteuerungen als Absichtserklärungen und seine Rückzieher verständlicherweise übel.
Nur in einigen wenigen Passagen, in denen Kafka von der Verbalisierung seines Gemütszustandes abläßt und ein bißchen äußere Welt in den Brief läßt, erkennt man den versierten Erzähler: die Beschreibung der Wohnungen, die er beinahe oder tatsächlich als Schreibdomizil gemietet hat, sowie einige Episoden aus dem Büro der Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt lassen an Ironie und Komik wenig zu wünschen übrig. Besonders aufschlußreich für Kafkas Rolle in der Briefbeziehung zu Felice ist die Art, wie er nach der ersten Trennung rückblickend die versuchte gemeinsame Möbelauswahl beschreibt: Felice möchte stabile Prager Beamtenmöbel, für die Ewigkeit gemacht und zur Repräsentation geeignet; Kafkas Wohnungsideal ist ein kleines miserables Stüblein, das seinem unbehausten Lebensgefühl entspricht, aber eben auch Freiheit von bürgerlichen Zwängen bedeutet. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 8. September 1999 | | |
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